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Blepharoplastik bei Männern: Warum sie einen anderen Ansatz erfordert?

Jasna Perković, dr. med.

Jasna Perković, dr. med.
Fachärztin für Augenheilkunde

1386 min27. 05. 2026

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In den letzten Jahren entscheiden sich immer mehr Männer für eine Untersuchung wegen hängender Lider. Manche kommen auf Anraten ihrer Partnerin, viele aber auch ganz von selbst, weil sie der müde Blick auf Fotos, bei Videokonferenzen oder im Alltag stört. Die meisten wünschen sich keine große Veränderung. Sie möchten vor allem wieder frischer wirken, ohne dass sich ihr Gesichtsausdruck verändert. Genau deshalb erfordert die Blepharoplastik bei Männern einen anderen Ansatz als bei Frauen.

Männer wünschen meist keine sichtbare Veränderung

Bei Männern beginnt das Gespräch über eine Blepharoplastik oft sehr pragmatisch. Sie stören schwere Lider, ein müder Blick, ein Druckgefühl über den Augen oder manchmal auch ein eingeschränktes Blickfeld nach oben etwa beim Autofahren oder Arbeiten. Besonders bei Männern, die häufig vor der Kamera stehen oder regelmäßig an Videokonferenzen teilnehmen, fällt die Veränderung oft stärker auf. Auf dem Bildschirm wirkt ein müder Blick schnell noch ausgeprägter.

In der Ordination zeigt sich jedoch rasch ein weiterer wichtiger Punkt. Männer möchten in der Regel nicht, dass nach dem Eingriff offensichtlich erkennbar ist, dass sie operiert wurden. Sie wünschen sich keine höhere oder stärker definierte Lidfalte. Sie möchten keinen weicheren oder auffallend offeneren Blick, der den Charakter ihres Gesichts verändert. Sie wollen vor allem weniger müde aussehen und trotzdem ganz sie selbst bleiben.

Das ist für mich einer der wichtigsten Grundsätze bei der Blepharoplastik des Mannes. Ziel ist nicht, eine neue Lidform zu schaffen, sondern jene Veränderungen zu korrigieren, die den Blick schwer wirken lassen, ohne dabei die natürliche männliche Anatomie zu verändern. Beim männlichen Gesicht ist die Grenze zwischen erholt und verändert besonders sensibel.

Das männliche Lid hat eine andere Anatomie

Das männliche und weibliche Oberlid sind nicht einfach zwei Varianten derselben Form. Sie unterscheiden sich in der Position der Lidfalte, im Verhältnis zwischen Augenbraue und Lid, in der Hautdicke, im Volumen der Weichteile und im gesamten Ausdruck des oberen Gesichtsbereichs. Bei Frauen liegt die natürliche Lidfalte meist etwas höher. Zwischen Wimpern und Lidfalte ist oft eine sichtbare Lidfläche vorhanden, die Teil der weiblichen Ästhetik ist. Beim Mann liegt die Lidfalte typischerweise tiefer, ist weniger definiert und näher am Lidrand. Die sichtbare Fläche zwischen Wimpern und Falte ist kleiner oder kaum vorhanden.

Auch die Position der Augenbrauen spielt eine wichtige Rolle. Die männliche Augenbraue liegt normalerweise tiefer, verläuft gerader und befindet sich näher am Auge. Wenn während der Operation zu viel Abstand zwischen Augenbraue und Oberlid geschaffen wird, verliert das Gesicht rasch seinen natürlichen männlichen Ausdruck. Der Blick kann überrascht, zu offen oder unnatürlich weich wirken.

Die Haut des männlichen Oberlids ist oft dicker und das Lid selbst meist etwas voller. Auch diese Fülle gehört zum männlichen Erscheinungsbild. Wird sie operativ zu stark reduziert, kann das Ergebnis eingefallen oder unnatürlich wirken. Deshalb plane ich eine Blepharoplastik bei Männern nicht nach denselben Kriterien wie bei Frauen. Der Unterschied beginnt bereits bei der ersten Untersuchung.

Was passiert, wenn bei Männern eine „weibliche“ Technik angewendet wird?

Ein unnatürliches Ergebnis entsteht bei Männern am häufigsten dann, wenn ein Ansatz verwendet wird, der zwar für ein weibliches Gesicht geeignet sein kann, nicht aber für ein männliches. Dabei wird zu viel Haut entfernt, die Lidfalte zu hoch gesetzt und die Fläche zwischen Wimpern und Falte stärker sichtbar gemacht. Das Oberlid wirkt dadurch definierter.

Für ein geschultes Auge ist ein solches Ergebnis meist sofort erkennbar. Beim Mann tritt plötzlich ein Teil des Oberlids hervor, der vorher nicht sichtbar war. Die Augenbraue wirkt höher, weil darunter mehr Raum entstanden ist, als das Gesicht ursprünglich hatte. Der Blick erscheint überraschter oder manchmal sogar femininer. Die Umgebung kann oft nicht genau benennen, was sich verändert hat merkt aber, dass das Gesicht nicht mehr ganz gleich wirkt.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Eingriff technisch schlecht durchgeführt wurde. Die Narbe kann unauffällig sein, die Haut präzise entfernt. Das Problem liegt vielmehr in der falschen ästhetischen Herangehensweise. Bei Männern reicht es nicht, das Auge einfach stärker zu öffnen. Entscheidend ist, dass der Blick auf eine männliche Weise offen bleibt.

Deshalb plane ich Eingriffe bei Männern meist zurückhaltender. Ich möchte keine neue Lidfalte schaffen, sondern die bestehende erhalten. Ich möchte den Bereich unter der Augenbraue nicht unnötig öffnen, sondern den Blick entlasten. Und ich möchte das Oberlid nicht aushöhlen, sondern seine natürliche Fülle bewahren, wenn sie zum Gesicht passt.

Wie ich die Blepharoplastik beim Mann plane

Zunächst beurteile ich, was tatsächlich den müden Blick verursacht. Liegt vor allem überschüssige Haut am Oberlid vor? Sind die Augenbrauen abgesunken? Hebt der Patient die Brauen unbewusst an, um den Blick zu öffnen? Oder besteht zusätzlich eine Ptosis, bei der das eigentliche Lid abgesunken ist? Diese Unterschiede sind wichtig, weil derselbe Eingriff bei unterschiedlichen Ursachen nicht zum gleichen Ergebnis führt.

Bei der Planung achte ich besonders auf die Höhe des Schnitts und die Menge der entfernten Haut. Beim Mann ist es meist besser, etwas weniger Haut zu entfernen und eine tiefere, weniger definierte Lidfalte zu erhalten, als den oberen Augenbereich zu stark zu öffnen. Dasselbe gilt für das Fettgewebe. Bei Männern lasse ich dieses häufig eher bestehen, weil die natürliche Fülle des Oberlids und der weichere Übergang zur Augenbraue den männlichen Ausdruck unterstützen.

Beim Unterlid ist wichtig, die Form des Auges nicht zu verändern. Wenn ein innerer Zugang geeignet ist also ein Schnitt an der Innenseite des Lids –, bevorzuge ich diesen, weil keine sichtbare Narbe entsteht und die natürliche Linie des Unterlids besser erhalten bleibt. Auch hier geht es nicht darum, jede einzelne Schattenbildung zu entfernen, sondern den müden Eindruck zu reduzieren, ohne den Gesichtsausdruck zu verändern.

Besonders wichtig ist mir auch das Gespräch mit dem Patienten. Männer tun sich oft schwerer damit, genau zu beschreiben, welches Ergebnis sie sich wünschen. Meist können sie klarer formulieren, was sie nicht möchten. Sie wollen nicht anders aussehen. Sie möchten nicht, dass Kolleginnen oder Kollegen den Eingriff bemerken. Sie wünschen sich keinen weicheren oder auffallend offeneren Blick, der nicht zu ihrem Gesicht passt. Wenn ich diese Erwartungen mit der individuellen Anatomie verbinde, lässt sich viel präziser festlegen, wie viel Veränderung sinnvoll ist.

Ziel ist ein erholter, aber klar männlicher Blick

Das Ziel der Blepharoplastik beim Mann klingt einfach, ist technisch aber anspruchsvoll: Der Blick soll weniger müde wirken, das Gesicht dabei aber unverändert erkennbar bleiben. Ein gutes Ergebnis ist oft jenes, bei dem die Partnerin oder ein enger Freund bemerkt, dass das Gesicht frischer aussieht, ohne genau sagen zu können, was sich verändert hat.

Gerade beim männlichen Gesicht ist Zurückhaltung oft der größte Vorteil. Weniger entfernte Haut kann ein natürlicheres Ergebnis bedeuten. Erhaltene Fülle am Oberlid kann langfristig harmonischer wirken. Eine tiefere, weniger definierte Lidfalte hilft, den männlichen Ausdruck zu bewahren. All diese kleinen Entscheidungen bestimmen letztlich, ob das Ergebnis natürlich wirkt.

Manche Männer kommen zur Untersuchung mit dem Gefühl, dass möglichst viel korrigiert werden sollte, weil sie ihre Lider stark stören. Im Gespräch zeige ich häufig, dass „mehr“ nicht automatisch „besser“ bedeutet. Wird der Blick zu stark geöffnet, kann genau jener Ausdruck verloren gehen, der das Gesicht charakteristisch macht. Bei der Blepharoplastik des Mannes ist das richtige Maß wichtiger als die größtmögliche Veränderung.

Wenn Sie bemerken, dass Ihre Lider schwerer wirken, Ihr Gesicht müder aussieht, als Sie sich fühlen, sich Ihr Blick auf Fotos verändert oder Sie bei alltäglichen Tätigkeiten Druck über den Augen verspüren, kann eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll sein. Ziel ist zunächst zu verstehen, was sich an den Lidern verändert hat. Erst danach lässt sich beurteilen, welcher Eingriff bei Ihrem Gesicht natürlich, sicher und ausreichend zurückhaltend wäre.

Häufige fragen

Worin unterscheidet sich die Blepharoplastik bei Männern von jener bei Frauen?

Werde ich nach dem Eingriff weniger maskulin aussehen?

Wird nach der Operation eine Narbe sichtbar sein?

Wann kann ich nach einer Blepharoplastik wieder arbeiten?

Sind tief liegende Augen ein Hindernis für eine Blepharoplastik?

In welchem Alter entscheiden sich Männer am häufigsten für den Eingriff?

Wird mein Umfeld bemerken, dass ich operiert wurde?