In meiner Ordination begegne ich fast täglich Patientinnen und Patienten mit einer ähnlichen Geschichte. Sie haben bereits verschiedene Augentropfen ausprobiert, regelmäßig warme Kompressen angewendet, manche auch eine IPL-Therapie erhalten. Die meisten sagen dasselbe: „Eine Zeit lang war es besser, dann kamen die Beschwerden wieder.“ Das überrascht mich nicht. Das Trockene Auge ist eine chronische Erkrankung, bei der eine einzelne Behandlung oft nicht ausreicht. Deshalb basiert die Therapie heute zunehmend auf einer Kombination verschiedener Methoden, die an unterschiedlichen Ursachen der Erkrankung ansetzen.
Warum eine einzelne Therapie oft nicht ausreicht
Die häufigste Ursache der Beschwerden ist eine Dysfunktion der Meibom-Drüsen – kleiner Drüsen in den Augenlidern, die den ölhaltigen Anteil des Tränenfilms produzieren. Funktionieren diese Drüsen nicht richtig, verdunsten die Tränen zu schnell. Die Folge sind Brennen, ein Sandkorngefühl in den Augen, verschwommenes Sehen, Lichtempfindlichkeit und manchmal sogar verstärkter Tränenfluss. Warum gerade diese Drüsen die häufigste Ursache der Beschwerden sind, erklärt meine Kollegin Dr. Urša Pečjak im Beitrag „Die häufigste Ursache trockener Augen“.
Augentropfen können die Augenoberfläche zwar vorübergehend befeuchten, die eigentliche Ursache beseitigen sie jedoch nicht. Ähnlich wie eine Salbe auf rissiger Haut lindern sie die Beschwerden nur für einige Stunden, behandeln aber nicht den Grund des Problems. Um die Erkrankung nachhaltig zu beeinflussen, müssen wir direkt an den Meibom-Drüsen und an der Entzündung ansetzen, die die Beschwerden aufrechterhält.
Licht, das die Zellen aktiviert ohne sie zu erwärmen
Eine der neueren Behandlungsmethoden ist die Photobiomodulation (PBM) – eine Therapie mit rotem und nahinfrarotem Licht. Dieses Licht besitzt eine Wellenlänge zwischen 630 und 850 Nanometern und dringt dadurch tiefer ins Gewebe ein als gewöhnliches sichtbares Licht. Es erwärmt das Gewebe nicht und verursacht keine Schmerzen. Seine Wirkung beruht auf einem anderen Mechanismus: Es stimuliert die Mitochondrien – die „Kraftwerke“ der Zellen, die für die Energieproduktion verantwortlich sind.
Produzieren die Mitochondrien mehr Energie in Form von ATP, können sich die Zellen besser regenerieren, Entzündungen effektiver reduzieren und ihre Aufgaben effizienter erfüllen. Bei einer Meibom-Drüsen-Dysfunktion bedeutet das eine verbesserte Funktion der Drüsen, eine hochwertigere Lipidsekretion und damit einen stabileren Tränenfilm.
Die Behandlung selbst ist kurz und angenehm. Während der Sitzung liegen oder sitzen Sie entspannt mit geschlossenen Augenlidern, während das Gerät Licht auf die Augenregion abgibt. Die Therapie ist nicht invasiv, kommt ohne Injektionen oder Schnitte aus und erfordert keine Erholungszeit. Anschließend können Sie Ihren Alltag ohne Einschränkungen fortsetzen.
Warum wir IPL und Photobiomodulation häufig kombinieren
Die Photobiomodulation ergänzt die IPL-Therapie ideal. Während IPL mithilfe von Wärme verstopfte Meibom-Drüsen öffnet und chronische Entzündungen der Lidränder reduziert, fördert PBM die Regeneration des Gewebes auf zellulärer Ebene. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Wirkmechanismen mit demselben Ziel: die Funktion der Augenlider und die Stabilität des Tränenfilms zu verbessern. Die eine Methode setzt von außen an der Ursache an, die andere von innen. Wie ich die Behandlung mit Lichttherapien heute angehe, habe ich im Beitrag „OptiLIGHT oder LipiFlow“ beschrieben.
Auch klinische Studien bestätigen diesen Ansatz. Randomisierte Untersuchungen zeigen, dass sich nach einem Zyklus von vier PBM-Behandlungen bei vielen Patientinnen und Patienten die Symptome des Trockenen Auges verringern, die Aufreißzeit des Tränenfilms verlängert und die Funktion der Meibom-Drüsen verbessert. Erste Effekte sind häufig bereits nach dem ersten Behandlungszyklus spürbar und können durch regelmäßige Erhaltungstherapien langfristig aufrechterhalten werden.
Die richtige Kombination ist für jede Person unterschiedlich
Meinen Patientinnen und Patienten erkläre ich häufig, dass es beim Trockenen Auge wenig sinnvoll ist, nach einer einzigen Wundermethode zu suchen. Viel wichtiger ist es, die richtige Kombination von Behandlungen für die jeweilige Person zu finden. Manche sprechen bereits sehr gut auf eine IPL-Therapie an, andere benötigen zusätzlich eine Photobiomodulation. Bei wieder anderen ergänzen wir die Behandlung durch eine intensivere Lidrandpflege, geeignete Augentropfen, Nahrungsergänzungsmittel oder weitere Therapieformen. Jeder Patient ist anders und genauso individuell sollte auch die Behandlung sein. Was Sie selbst zu Hause gegen trockene Augen tun können, hat meine Kollegin Dr. Urša Pečjak im Beitrag „5 Lösungen bei trockenen Augen“ zusammengefasst.
Sobald Patientinnen und Patienten verstehen, dass das Trockene Auge eine chronische Erkrankung ist, verändert sich oft auch ihr Blick auf die Therapie. Sie erwarten keine schnelle Lösung mehr, sondern eine schrittweise Verbesserung und eine langfristige Kontrolle der Beschwerden. Deshalb kommen viele regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen und Erhaltungstherapien. Gemeinsam beobachten wir den Verlauf der Erkrankung und passen die Behandlung kontinuierlich an.
Eines betone ich dabei immer besonders: Das Trockene Auge lässt sich heute zwar noch nicht endgültig heilen. Bei den meisten Betroffenen können wir die Beschwerden jedoch deutlich lindern, Entzündungen reduzieren, die Funktion der Meibom-Drüsen verbessern und den Komfort im Alltag spürbar steigern. Genau das ist das Ziel einer modernen Behandlung nicht Unmögliches zu versprechen, sondern eine individuell abgestimmte Kombination von Therapien anzubieten, mit der sich die Erkrankung langfristig erfolgreich kontrollieren lässt. Und wenn mir Patientinnen oder Patienten nach Monaten oder sogar Jahren berichten, dass sie wieder problemlos lesen, am Computer arbeiten oder auch bei windigem Wetter spazieren gehen können, wissen wir, dass wir gemeinsam einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben.
