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Warum eine Augenuntersuchung nicht nur für Menschen mit Sehproblemen wichtig ist

mag. Kristina Mikek, dr. med.

mag. Kristina Mikek, dr. med.
Fachärztin für Augenheilkunde

1885 min03. 06. 2026

Augengesundheit

Warum eine Augenuntersuchung nicht nur für Menschen mit Sehproblemen wichtig ist

Die meisten Menschen suchen eine Augenärztin oder einen Augenarzt erst dann auf, wenn sie bemerken, dass ihr Sehvermögen nachlässt. Die Schrift auf dem Smartphone wird unschärfer, das Autofahren bei Nacht anstrengender und das Lesen ermüdender. Eine Augenuntersuchung dient jedoch nicht nur der Bestimmung der Sehschärfe. Die Augen gehören zu den wenigen Bereichen des Körpers, in denen Ärztinnen und Ärzte Blutgefäße, Netzhaut und Sehnerv direkt und ohne Eingriff betrachten können. Deshalb lassen sich bei einer Untersuchung manchmal Veränderungen erkennen, die Betroffene selbst noch gar nicht bemerken.

Die Augen verraten mehr als nur die Sehschärfe

Bei einer augenärztlichen Untersuchung wird nicht nur geprüft, wie gut Sie sehen. Mithilfe einer Spaltlampe, spezieller Linsen und weiterer Untersuchungsmethoden beurteilt die Augenärztin oder der Augenarzt den vorderen Augenabschnitt, die Augenlinse, den Augeninnendruck und bei Bedarf auch den Augenhintergrund. Gerade die Untersuchung des Augenhintergrunds zählt zu den wertvollsten diagnostischen Verfahren, weil sie einen direkten Blick auf die Netzhaut, die feinen Blutgefäße und den Sehnerv ermöglicht.

Das ist deshalb bedeutsam, weil die Gefäße der Netzhaut Teil desselben Gefäßsystems sind, das auch Gehirn, Herz und Nieren versorgt. Veränderungen an diesen feinen Gefäßen können daher Hinweise auf Vorgänge in anderen Organen geben. Mitunter werden sie sichtbar, noch bevor Beschwerden auftreten.

Eine Augenuntersuchung beantwortet daher nicht nur die Frage, ob Sie eine neue Brille benötigen. Sie kann auch dazu beitragen, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, die sich langsam entwickeln und lange Zeit keine auffälligen Symptome verursachen.

Stille Erkrankungen zeigen sich manchmal zuerst an den Augen

Diabetes mellitus und Bluthochdruck haben eine wichtige Gemeinsamkeit: Beide Erkrankungen können über Jahre hinweg ohne Schmerzen und ohne eindeutige Warnsignale verlaufen. Betroffene fühlen sich oft gesund, während sich an den kleinen Blutgefäßen bereits Veränderungen entwickeln.

Bei dauerhaft erhöhtem Blutdruck können die Netzhautgefäße verengt und weniger elastisch werden. Manchmal sind kleine Blutungen oder andere Veränderungen sichtbar, die darauf hinweisen, dass das Gefäßsystem belastet ist. Bei Diabetes kann sich eine diabetische Retinopathie entwickeln eine Schädigung der feinen Netzhautgefäße infolge dauerhaft erhöhter Blutzuckerwerte. Diese Veränderungen verursachen anfangs meist weder Schmerzen noch Sehprobleme. Betroffene können sie selbst nicht erkennen. Bei der Untersuchung des Augenhintergrunds sind sie jedoch oft sichtbar.

Das bedeutet nicht, dass die Augenärztin oder der Augenarzt die Diagnose Diabetes oder Bluthochdruck stellt. Es können jedoch Hinweise erkannt werden, die eine weitere Abklärung bei der Hausärztin oder dem Hausarzt sinnvoll machen. Genau darin liegt der große Wert der Untersuchung. Manchmal wird nicht nur ein Augenproblem entdeckt, sondern ein Hinweis auf eine allgemeine gesundheitliche Veränderung gegeben.

Wenn sich Veränderungen an Lidern, Blick oder Augenoberfläche zeigen

Manche Auffälligkeiten fallen bereits beim ersten Blick auf. Gelbliche, leicht erhabene Ablagerungen an den Lidern, sogenannte Xanthelasmen, können mit erhöhten Blutfettwerten zusammenhängen. Sie sind für das Auge selbst meist harmlos, können aber Anlass sein, Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen genauer abzuklären.

Auch Erkrankungen der Schilddrüse können sich an den Augen bemerkbar machen. Bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen, insbesondere bei Morbus Basedow, kann sich hinter den Augen eine Entzündung entwickeln. Die Augen wirken dann oft stärker hervortretend, der Blick offener. Zusätzlich können Druckgefühl hinter den Augen, Trockenheit, vermehrter Tränenfluss oder Doppelbilder auftreten. Nicht selten bemerken Betroffene oder Angehörige zunächst die Veränderung der Augen, bevor die hormonelle Ursache erkannt wird.

Ein weiteres häufiges Problem unserer Zeit sind trockene und müde Augen. Viele Menschen verbringen täglich mehrere Stunden vor Bildschirmen, oft in klimatisierten oder trockenen Räumen. Die Augen brennen, röten sich, das Sehen wird gegen Abend verschwommen und es entsteht ein Fremdkörpergefühl.

Bei manchen handelt es sich vor allem um eine Folge der intensiven Bildschirmarbeit, bei anderen liegt eine behandlungsbedürftige Erkrankung des Tränenfilms vor. In der Praxis zeigt sich häufig, dass Betroffene solche Beschwerden lange als normalen Teil ihres Arbeitsalltags akzeptieren. Bei gelegentlichen Symptomen können Pausen, bessere Beleuchtung, ausreichende Luftfeuchtigkeit und geeignete Tränenersatzmittel helfen. Halten die Beschwerden jedoch über Wochen an, nehmen sie zu oder beeinträchtigen das Sehen, ist eine augenärztliche Abklärung sinnvoll.

Wann Sie eine Augenuntersuchung nicht aufschieben sollten

Die meisten Veränderungen an den Augen entwickeln sich langsam. Einige Symptome erfordern jedoch eine rasche medizinische Abklärung.

Ein plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen, plötzlich auftretende Doppelbilder, Ausfälle im Gesichtsfeld oder neu auftretende Lichtblitze sollten niemals ignoriert werden. Solche Beschwerden können mit Durchblutungsstörungen, Entzündungen des Sehnervs, Netzhautveränderungen oder neurologischen Erkrankungen zusammenhängen. Besondere Aufmerksamkeit verdient auch eine vorübergehende Verdunkelung des Sehens auf einem Auge, die nach wenigen Minuten wieder verschwindet. Mediziner bezeichnen dies als Amaurosis fugax. Da sich das Sehvermögen rasch erholt, wird das Ereignis oft als Zufall oder Ermüdung abgetan. Tatsächlich kann es jedoch ein Warnsignal für eine Durchblutungsstörung sein und sollte umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Die Regel ist einfach: Wenn sich Ihr Sehvermögen plötzlich verändert, Beschwerden wiederholt auftreten oder Sie eine Veränderung nicht erklären können, sollten Sie rasch ärztliche Hilfe suchen. Bei bestimmten Augenerkrankungen ist Zeit ein entscheidender Faktor für den Behandlungserfolg.

Eine Untersuchung, die auch ohne Beschwerden sinnvoll ist

Die Augen sind nicht nur für Lesen, Arbeiten und Autofahren wichtig. Sie sind auch ein Teil des Körpers, an dem sich Folgen verschiedener Allgemeinerkrankungen erkennen lassen. Deshalb sind regelmäßige Augenuntersuchungen nicht nur für Menschen mit Sehproblemen sinnvoll. Ab dem 40. Lebensjahr empfiehlt sich eine augenärztliche Kontrolle auch dann, wenn keine Beschwerden bestehen. In diesem Alter treten häufiger altersbedingte Veränderungen wie Presbyopie, erhöhter Augeninnendruck, erste Veränderungen der Augenlinse oder Netzhauterkrankungen auf. Bei Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Glaukom in der Familie oder anderen Risikofaktoren sind häufigere Kontrollen notwendig.

Wie oft eine Untersuchung sinnvoll ist, hängt von Alter, Gesundheitszustand, familiärer Vorbelastung und dem Ergebnis der ersten Untersuchung ab. Deshalb gibt es keine allgemeingültige Empfehlung. Nach der Untersuchung kann die Augenärztin oder der Augenarzt individuell beurteilen, ob eine Kontrolle erst in einigen Jahren oder bereits früher sinnvoll ist. Der größte Wert einer Augenuntersuchung liegt oft darin, Veränderungen zu entdecken, bevor sie Beschwerden verursachen. Gutes Sehen ist wichtig es ist jedoch nicht immer ein Beweis dafür, dass die Augen gesund sind.

Häufige Fragen

Warum sollte ich zu einer Augenuntersuchung gehen, wenn ich gut sehe?

Kann eine Augenärztin oder ein Augenarzt Diabetes erkennen?

Wie oft sollte ein Erwachsener eine Augenuntersuchung durchführen lassen?

Was sind Xanthelasmen an den Augenlidern?

Wann ist eine plötzliche Veränderung des Sehens ein Notfall?

Sind trockene Augen durch Bildschirmarbeit ein Grund für eine Untersuchung?

Ist die Untersuchung des Augenhintergrunds schmerzhaft?

Benötigen auch Kinder eine Augenuntersuchung?