Nazaj

Wann empfehle ich die laserbasierte Entfernung von Glaskörpertrübungen?

Urša Pečjak, dr. med.

Urša Pečjak, dr. med.
Fachärztin für Augenheilkunde

3503-4 min11. 02. 2026

LaserTrübungen

Schwebende Trübungen im Gesichtsfeld in Form von Punkten, Fäden, Nebel oder sogenannten „Mouches volantes“ sind sehr häufige Beschwerden, die mit zunehmendem Alter meist stärker werden. Sie entstehen im Glaskörper einem gelartigen Medium, das das Innere des Auges ausfüllt. Anfangs sind sie bei den meisten Menschen kaum wahrnehmbar, mit der Zeit können sie sich jedoch verdichten und deutlich störend werden, insbesondere beim Lesen, bei der Arbeit am Computer oder beim Blick auf helle Flächen. Die laserbasierte Entfernung von Glaskörpertrübungen (Laser-Vitreolyse) kann eine sehr effektive und elegante Lösung sein, ist jedoch nicht für jede Patientin und jeden Patienten geeignet. Ob mit diesem Eingriff Beschwerden durch Trübungen gelindert werden können, lässt sich erst nach einer sorgfältigen augenärztlichen Untersuchung und einem ausführlichen Gespräch beurteilen. Um verständlich zu machen, wie ich meine Empfehlung zur Behandlung von Glaskörpertrübungen treffe, stelle ich im Folgenden einige typische Beispiele aus der täglichen Praxis vor.

Beispiel 1: Junger Patient mit feinen Trübungen

Ein 25-jähriger Patient bemerkt seit mehreren Jahren zahlreiche kleine Trübungen vor beiden Augen. Er beschreibt sie als Punkte, Fäden und Spiralen, die mit den Jahren zugenommen haben und ihn bei der Computerarbeit stark stören. Bei der Untersuchung zeigte sich eine homogene Glaskörperstruktur ohne Hinweise auf eine Glaskörperabhebung, lediglich feine degenerative Verdichtungen waren vorhanden. In diesem Fall ist eine Laser-Vitreolyse nicht geeignet. Der Eingriff wird grundsätzlich nicht durchgeführt, solange der Glaskörper nicht natürlich abgehoben ist was meist erst um das 60. Lebensjahr auftritt. Davor könnte der Eingriff riskant sein, da er ein vorzeitiges Absinken des Glaskörpers und sogar einen Netzhautriss verursachen könnte. Etwa 75 % der Menschen über 65 Jahre haben bereits eine Glaskörperabhebung, bei unter 40-Jährigen ist dies hingegen sehr selten. In solchen Fällen versuche ich vor allem zu beruhigen. Sobald die Betroffenen verstehen, dass der Befund nicht gefährlich ist, können sie die Trübungen leichter ausblenden. Zusätzlich hilft die sogenannte Neuroadaptation: Das Gehirn lernt mit der Zeit, die Trübungen unbewusst auszublenden.

Beispiel 2: Nach Kataraktoperation

Ein 72-jähriger Patient wurde vor drei Jahren an beiden Augen wegen Grauem Star operiert und sieht ausgezeichnet. Seit etwa einem Jahr stört ihn jedoch eine größere „Mücke“ vor dem rechten Auge, die sich beim Lesen ständig im Zentrum des Gesichtsfeldes befindet. Bei der Untersuchung zeigt sich eine Glaskörperabhebung mit einer typischen größeren Verdichtung im zentralen Bereich. Dieser Patient ist ein idealer Kandidat für eine Laser-Vitreolyse. Wenn eine oder wenige größere, klar abgegrenzte Trübungen im zentralen Gesichtsfeld vorliegen, ist die Laserbehandlung sehr sinnvoll. Der Eingriff ist oft besonders erfolgreich bei Patient:innen nach einer Kataraktoperation. Nach der Behandlung verbessert sich die Sehqualität und die Lebensqualität im Alltag in der Regel deutlich.

Beispiel 3: Hochgradige Kurzsichtigkeit

Eine 57-jährige Patientin mit hochgradiger Myopie (-9,00 Dioptrien) bemerkt seit Jahren dichte Nebel und netzartige Strukturen vor beiden Augen. Die Anzahl der Trübungen nimmt zu, wodurch sie ein subjektiv schlechteres Sehen wahrnimmt. Bei der Untersuchung zeigt sich beidseits eine Glaskörperabhebung mit ausgedehnten, dichten Trübungen im gesamten Glaskörperraum. In solchen Fällen ist eine Laser-Vitreolyse nicht effektiv. Wenn sehr viele Trübungen den gesamten Glaskörper ausfüllen, können sie mit dem Laser nicht in einem Ausmaß entfernt werden, das eine relevante Sehverbesserung bringt. In solchen Situationen kommt ausschließlich die operative Entfernung des Glaskörpers die sogenannte Vitrektomie in Frage.

Beispiel 4: Frische Glaskörperabhebung

Eine 63-jährige Patientin bemerkt seit drei Tagen einen Punkt und netzartige Strukturen vor dem linken Auge, abends zusätzlich Lichtblitze. Bei der Untersuchung zeigt sich eine frisch aufgetretene Glaskörperabhebung mit einer einzelnen zentralen Trübung, die Netzhaut ist intakt. In solchen Fällen kann die störende Trübung grundsätzlich mit dem Laser behandelt werden jedoch nicht sofort. Bei einer frischen Glaskörperabhebung warten wir immer 4 bis 6 Monate, bis sich die Situation stabilisiert hat. Wenn die Trübungen danach weiterhin störend sind, können sie sicher mit dem Laser entfernt werden.

Wann kann eine Laser-Vitreolyse also wahrscheinlich helfen?

Wenn Sie älter als 50 Jahre sind und seit längerer Zeit eine oder mehrere größere Glaskörpertrübungen im Gesichtsfeld wahrnehmen, die Sie dauerhaft beim Lesen, Arbeiten oder bei anderen alltäglichen Tätigkeiten beeinträchtigen, besteht die Möglichkeit, dass eine Laser-Vitreolyse hilfreich ist. Wichtig ist, dass die Veränderungen seit mehreren Monaten bestehen und die Sehqualität sowie die Lebensqualität tatsächlich beeinträchtigen. Die endgültige Entscheidung basiert jedoch nie allein auf dem subjektiven Empfinden, sondern immer auf einer gründlichen Untersuchung des Augenhintergrundes bei erweiterter Pupille sowie auf einem offenen Gespräch über Möglichkeiten und realistische Erwartungen. Nur so lässt sich gemeinsam beurteilen, ob der Eingriff im individuellen Fall sicher, sinnvoll und tatsächlich hilfreich ist.